erstes Losungsbuch |
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| Das Los und die Losungen
Der Losgedanke ist eng mit der Streiteridee verbunden. Es gibt in der Kirchengeschichte keine vergleichbare Praxis einer Gemeinde oder Gruppierung, die sich per Los leiten liess. Die Idee Zinzendorfs stiess auf allgemeine Kritik. Das Los wurde im 18. Jahrhundert bei der Verteilung von Ämtern oder bei der Aushebung von Soldaten gebraucht und wurde als Gottesurteil akzeptiert. In der Brüdergemeine wurde es 1725 zum ersten Mal angewandt, als man die Laien-Ämter besetzte. Die Anwendung des Loses führte zu einer Losordnung, die während Zinzendorfs Lebzeiten allerdings ziemlich flexibel gehandhabt wurde. Durch das Los wollte sich die Gemeine vergewissern, dass ihr der Herr gnädig war und unter ihr wohnte. Sie gebrauchte das Los, wie Christian David sagte: "…weil er (=Christus) uns kindlich und einfältig gemacht, es zu wagen, um gern in allen Stücken seinen Willen zu erkennen und zu gehorsamen; nicht aus Vorwitz, Vermessenheit, um Gott vorzulaufen, brauchen wir das Los, sondern aus Einfalt, Demut und kindlichem Vertrauen, das Beste zu erwählen. Daher es auch allemal unter herzlichem Gebete, mit einem gelassenen Gemüte und gläubiger Zuversicht, dass er uns seinen Willen wird treffen lassen, geschieht." Es musste vermieden werden, dass das Los dazu gebraucht wurde, um Gott zur Kundgabe seines Willens zu zwingen. Deshalb führte man drei Lose ein:
Wurde das Leere Blatt gezogen, bedeutete dies die Verschiebung
der Klärung der Frage auf einen späteren Zeitpunkt.
Den Losgedanken verband Zinzendorf eng mit seiner Vorstellung mit dem Umgang mit dem Heiland. Die enge persönliche Beziehung zu Jesus führt zu Nähe und zur Annahme der Leitung durch Christus. Das Los war nicht zu trennen vom Umgang mit dem Heiland. Das Los sollte bei unbedeutenden Fragen nicht zur Anwendung kommen. Die Sache musste so weit wie möglich durchdacht sein und als letzter Ausweg war das Los zu gebrauchen. Zinzendorf wollte durch das Losen einem allzu intimen Umgang mit Jesus entgegentreten. Er wollte seinen eigenen Willen von dem des Heilands trennen, dessen Willen er als souverän betrachtete. Der eigene fromme Wille sollte sich vom Willen des Herrn unterscheiden. Ein anderer Grund war, dass es für viele Entscheidungen innerhalb der schnell wachsenden neuen Brüdergemeinen keine Vorbilder und Erfahrungswerte gab. In den 30-er Jahren wurde Zinzendorf auf drängen der Staatskirchen, die sich von der Herrnhuter Bewegung bedroht fühlten, aus Sachsen verbannt, dabei entstand die Pilgergemeine, die aus den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Grafen bestand. Diese Leute waren ständig unterwegs und verkündigten dabei die Frohe Botschaft. Während dieser laufenden Wanderung der Leute befragten sie jeweils das Los und meinten so unter der steten Führung Gottes zu sein. Innerhalb der Brüdergemeine wurden durch das Los die öffentlichen Ämter besetzt. Eine Besonderheit innerhalb der Los-Praxis war das Ehelos. Dies wurde vor allem angewandt, für Brüder die sich von einem Missionseinsatz her eine Braut aus der Heimat erbaten. Die Brüder und Schwestern in der Heimatgemeinde berieten dann erst darüber, welche Frau wohl zu dem Freier passen würde und befragten erst dann das Los. Die beiden Ausgelosten hatten dabei allerdings die Freiheit, die Entscheidung abzulehnen. Auch eine Berufung in ein Amt war nicht auf Beugen und Brechen bindend, die Gewissensfreiheit wurde höher gewertet, als das Los. Nach dem Tod Zinzendorfs wurde der Losgebrauch genau geregelt, die Praxis verfiel allerdings mit den Jahren. An der Synode der Brüder-Unität von 1869 wurden zwar noch die §32 bis §34 vom rechten Gebrauch des Loses festgelegt, aber 1889 wurden sie endgültig abgeschafft. Restlos abgebaut wurde die bizarr anmutende Manier jedoch nicht. Die Losungstexte, die die Herrnhuter Brüdergemeine jährlich herausgibt, werden durch das Los bestimmt. Die Losungen entstanden so: Etwa sieben Monate nach der Erweckung in Herrnhut, am 3. Mai 1728, versammelte sich die Gemeinde zur allabendlichen Singstunde im Bethaus. "Der Herr Graf fing heute die Methode an, in der Singstunde etwas mitzugeben als Losung für den künftigen Tag." Die erste hiess:" Liebe hat ihn hergetrieben, und ich sollte ihn nicht lieben?"" In der Folge ging man täglich am Morgen von Haus zu Haus und verkündete den Einwohnerinnen und Einwohnern die neue Losung. Erich Beyreuther nennt die Losungen die Parolen der Streitergemeine für ihren Kampf nach innen und aussen. 1731 wurde der erste Losungsband gedruckt, nun mit Versen aus der Bibel, vorher bediente sich Zinzendorf vor allem Gesangbuchstrophen. Die Absicht der Verbreitung der Losungen war, das Wort Gottes in die Alltäglichkeit hineinzutragen. Dieses Ziel wurde durch die auffällige Verbreitung innerhalb des Protestantismus erreicht. Die jährlichen Ausgaben der Losungen erreichen heutzutage eine mehrfache Millionen-Auflage und werden in 46 Sprachen übersetzt herausgegeben. Zinzendorf hat die Grenzen des Konfessionalismus überwunden. Herrnhut
wurde die erste anerkannte Freikirche in Europa und Amerika. Sie war missionarisch,
diakonisch und in ökumenischem Geist tätig. Sie lud jeden ein,
der bereit war in der Nachfolge Jesu mit seinem Leben einzustehen, mitzumachen,
bar jeder Konfessionszugehörigkeit. |
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©
Anita Zimmerling Enkelmann 1998-2005 |
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